30. Ayinger Fischwoche - Wie alles begann...

849 Kilometer  trennen Aying und Bremerhaven – aber einmal im Jahr sind die beiden Orte ganz eng beieinander: Dann nämlich, wenn Lutz Natusch und seine Köche aus dem hohen Norden anrücken, um im Rahmen der Ayinger Fischwoche im „August und Maria“ ihre Fisch-Kreationen zuzubereiten.

2017 tritt Lutz Natusch, der ein gleichnamiges Fischrestaurant in Bremerhaven betreibt, bereits zum 30. Mal die Reise in den Süden an.

Wie kommt so ein Nordlicht Ende der 80iger Jahre nach Aying? „Der Brauereigasthof hat einen Koch für ihre Fischwoche gesucht, die sie bei sich im Restaurant einführen wollten“, erzählt Lutz Natusch. Die Redakteure eines Gourmet-Führers, die beide Lokalitäten kannten und schätzten, haben den Brauereigasthof und den damals 43-jährigen schließlich zusammengebracht. „Wo Aying liegt, da hatte ich gar keine Vorstellung. München kannte ich und vom Ayinger Bier hatte ich auch schon irgendwann mal gehört, aber das war es dann auch. Für mich war und ist ja Bremerhaven der Nabel der Welt!“ Weit weg war damals noch die Zeit, Aying und den Brauereigasthof einfach bei Google einzugeben.

Da blieb Lutz Natusch nichts anderes übrig, als persönlich in Aying vorbeizuschauen. „Der Gasthof und das Niveau, auf dem dort gekocht wurde, waren meiner Küche sehr ähnlich. Und mit Josef Rampel, dem damaligen Küchenchef, war ich auch sofort auf einer Wellenlänge.“ Und damit war die mittlerweile legendäre „Ayinger Fischwoche“ aus der Taufe gehoben.

Die Resonanz der Gäste war von Anfang an riesengroß – so groß, dass gleich am ersten Abend der Fisch ausging. „Der Nachschub aus Bremerhaven hätte zwei Tage gedauert. Also sind wir von Gasthaus zu Gasthaus gefahren und haben im wahrsten Sinne des Wortes rausgefischt, was wir kriegen konnten.“ Diese Hilfsbereitschaft der Wirte untereinander beeindruckt Lutz Natusch bis heute: „Diese kollegiale Zusammenarbeit war wirklich toll.“

Die Vertriebswege sind heute einfacher, der frische Fisch aus Bremerhaven wird täglich in Aying angeliefert, und auch sonst hat sich so einiges getan: Lutz Natusch hatte damals laut eigenen Angaben wesentlich mehr Haare auf dem Kopf, das Herrenhaus war noch Familienhaus, der Gasthof hatte nur 19 Zimmer. Hausherrin war seinerzeit Maria Inselkammer, die Mutter des heutigen Senior-Bräu Franz Inselkammer. „Das war eine richtige Dame, die hat mich immer sehr beeindruckt“, erinnert sich Lutz Natusch. Gerne zurück denkt er auch an die tollen Gäste, die er im Lauf der Zeit während der Fischwoche bewirten durfte: Unter anderem Edmund Stoiber, Uli Hoeneß oder Otto Schily.

Dieses Jahr wird er also zum 30. Mal in Aying hinterm Herd stehen und fangfrischen Nordsee-Fisch für die Gäste zubereiten; und er wird staunen, ob der neuen Küche und ihrer Möglichkeiten. „Das ist schon gewaltig, was dieses Haus für eine tolle Entwicklung genommen hat und sich dabei immer die gemütliche, bayerische Hochkultur bewahrt hat.“

In Bremerhaven wisse mittlerweile jeder, wo Aying ist, sagt Natusch. Dafür hat der heute 73-jährige, der in Bremerhaven bekannt wie ein  bunter Hund ist, gesorgt. Im Lauf des Jahres kommen auch immer wieder Gäste aus Aying und Umgebung in sein Fischereihafen-Restaurant. Sein Leibgericht ist übrigens die Kutter-Limande, die selbstverständlich auch während der Ayinger Fischwoche auf der Karte steht.

In gut vier Wochen macht er sich gemeinsam mit 2 Köchen auf den Weg nach Aying. „Wenn ich das Ortsschild sehe und die Berge im Hintergrund, da geht mir das Herz auf.“ Doch so sehr er dieses wunderbare Fleckchen bayerischer Erde schätzt: Er ist ein Nordlicht, durch und durch. „Ich mag die Weite und das raue Klima. Und dass mit einem einfachen „Jo“ manchmal alles gesagt ist.“